Frühling - die ersten Ausfahrten mit dem Rad

Roman Rametsteiner Die ersten warmen Sonnenstrahlen locken Radfahrer wieder raus in die Natur. Was es zu dabei zu beachten gibt erklärt Radprofi Roman Rametsteiner!

  • Wie bereitet man sich auf seine erste Ausfahrt vor - sowohl der erfahrene Radler als auch der Neuanfänger?
  • Gibt es unterschiedliche Vorbereitung zwischen Mountainbike und Straße?
  • Auf was muss man im Gelände aufpassen? Wurzeln, Tiere, Schlaglöcher, zu steile Berge …?
  • Welche Strecken fährt man am besten zu dieser Zeit, wenn alles noch nass und „gatschig“ ist?
  • Welche Strecken sollte man angehen?
  • Wie plant man seine Vorbereitung und die Vorbereitung auf eine größere Tour?


Zieht der Frühling ins Land, steigen die Temperaturen und schickt die Sonne die ersten wärmenden Strahlen, erwacht bei vielen Radfahrern der Drang, raus in die Natur zu gehen, sich körperlich zu betätigen und den Drahtesel auszuwintern. Um die ersten Ausfahrten erfolgreich hinter sich zu bringen und die Motivation hoch zu halten, sind einige Überlegungen vorab angebracht.

Je länger die letzte Ausfahrt zurück liegt, desto langsamer und bedachter muss gestartet werden. Gerade im Frühling sind die Leistungsunterschiede eklatant, da die letzte Fahrt am Rad entweder im Herbst erfolgte, oder die Vorbereitung auch im Winter konsequent am Spinningrad im Fitnessstudio absolviert wurde. Es gilt aber als Faustregel, den Körper bei langsamen und vor allem eher flachen Ausfahrten (auch mit dem Mountainbike müssen nicht immer tausende Höhenmeter vernichtet werden) an die Belastung zu gewöhnen. Bei dieser Vorgehensweise wird das Gefühl nach einigen Ausfahren deutlich besser, die Höhenmeter, das Tempo und die Länge können gesteigert und den Kollegen mit gutem Gewissen das Hinterrad gezeigt werden. Nicht umsonst wird im Profisport ähnlich vorgegangen. Ich absolviere vor den ersten Rennen in der Vorbereitung schon mehr als 10.000 Kilometer im Grundlagenbereich, um für die Rennsaison bestens gerüstet zu sein.

Aber nicht nur die Kondition befindet sich im Frühling oftmals noch im Winterschlaf, auch die Fahrtechnik ist eingerostet. Dies darf gerade beim Mountainbiken auf den ersten Abfahrten nicht vergessen werden. Es gilt langsam und dosiert zu fahren um auch der Koordination am Bike das Gefühl zu geben, es geht wieder los. Die Fahrtechnik ist überhaupt der entscheidende Unterschied zwischen MTB und Rennrad. Dem Techniktraining muss Rechnung getragen werden. Eine perfekte Fahrtechnik ist mit geeigneter Geschwindigkeitswahl der beste Schutz gegen plötzlich auftretende Wurzeln, Schlaglöcher oder sonstige Herausforderungen im Gelände.

Ist diese Basis gelegt zieht es den Mountainbiker wieder unweigerlich ins Gelände. Gerade aber in der Zeit der Schneeschmelze wird einem dieser Spaß durch Gatsch und Nässe manchmal verdorben. Mit einer überlegten Streckenwahl kann aber vorgebeugt werden. Es ist in dieser Jahreszeit einfach besser, auf Schotterstraßen zu bleiben um einen möglichst festen und wenig matschigen Untergrund vorzufinden. Es ist auch nicht unbedingt empfehlenswert, viele Höhenmeter am Stück zu vernichten. Im Tal ist es oft schon trocken, während es weiter oben noch schneebedeckt ist. Drei kürzere Anstiege ergeben in Summe ebenfalls die gleichen Höhenmeter? und man spart sich nach der Tour eine Generalüberholung des Bikes, samt völliger Reinigung der Bekleidung.

Je mehr es in Richtung warmer Jahreszeit geht, desto länger werden die Tage und natürlich auch die Touren. Ist nun wirklich eine Tages- oder Mehrtagestour geplant, ist eine genaue Vorbereitung und Planung von Nöten. Wieder als Faustregel, je besser die Vorbereitung, desto länger kann die Tour werden. Es macht wenig Sinn, mit wenig Vorbereitung ein Trans-Alp in Angriff zu nehmen. Die Überforderung ist vorprogrammiert. Darum gilt, ehrlich sein zu sich selber: was kann ich mir zumuten, was schaffe ich. Niemand kennt dich besser als du selbst! Vor allem in der Gruppe gilt, mit möglichst gleich starken Partnern diese Tour in Angriff zu nehmen. Ansonsten kann es leicht sein, dass Frust der ständige Begleiter für alle Beteiligten wird!

Tipp von Roman Rametsteiner